Concepts of Man in Freemasonry - and Man is called Man
J.B. Roehrle
Immer, wenn ich mich mit einer interessanten Thematik zu beschäftigen beginne, geht mir das eine oder andere Musikstück durch den Kopf. Beim Thema „Menschenbild“ war es der Song von Herbert Grönemeyer „Mensch“. Sie wissen schon „momentan ist richtig, momentan ist gut“.
Und der Mensch heißt Mensch Weil er irrt und weil er kämpft Und weil er hofft und liebt Weil er mitfühlt und vergibt Und weil er lacht Und weil er lebt
Das ist ein Teil des Refrains eines seiner bekanntesten Songs .
Herbert Grönemeyer
Kennen Sie sich selbst? Wissen Sie, welche Gedanken, Gefühle oder Meinungen Sie prägen? Welche Eigenschaften bestimmen Ihre Persönlichkeit? Diese Elemente bilden ganz wesentlich Ihr Selbstbild.
Die Entwicklung des eigenen Menschenbildes ist ein komplexer Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Zunächst spielen die individuellen Erfahrungen eine entscheidende Rolle. Jeder Mensch erlebt die Welt auf seine eigene Weise und diese Erfahrungen prägen sein Verständnis von sich selbst und anderen. Hinzu kommen die Erziehung, die kulturelle Prägung und die Bildung.
Lassen Sie uns ganz kurz die Menschenbilder anschauen, die sich im Laufe der kulturellen Entwicklung des Menscchen herausgebildet haben.
Das Menschenbild der Antike
Das Menschenbild der Antike ist vielschichtig und variiert je nach Kultur und Philosophie.
Im antiken Griechenland etwa wurde der Mensch als ein rationales Wesen angesehen, das nach Wissen und Weisheit strebt. Dieses Bild wurde stark von Philosophen wie Platon und Aristoteles geprägt, die den Menschen als ein Wesen mit Vernunft und moralischem Urteilsvermögen sahen.
In der römischen Antike hingegen war das Menschenbild stark von der Idee des ‚civis romanus‘ geprägt, des römischen Bürgers, der seine Pflichten gegenüber dem Staat erfüllt und sich für das Gemeinwohl einsetzt. Hier stand weniger das individuelle Streben nach Wissen im Vordergrund, sondern eher die Rolle des Menschen innerhalb der Gesellschaft.
Im antiken China war das Menschenbild stark von den Lehren des Konfuzianismus und Daoismus beeinflusst. Der Konfuzianismus betonte die soziale Verantwortung und moralische Integrität des Einzelnen, während der Daoismus ein harmonisches Zusammenleben mit der Natur und dem Kosmos lehrte.Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Menschenbild der Antike stark von den jeweiligen kulturellen, philosophischen und religiösen Kontexten geprägt war. Trotz dieser Unterschiede gab es jedoch auch gemeinsame Themen, wie das Streben nach Wissen, die Rolle des Menschen in der Gesellschaft und die Suche nach einem sinnvollen Platz im Kosmos.
Das christliche Menschenbild
Das christliche Menschenbild basiert auf der Vorstellung, dass der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen wurde. Dies ist ein zentraler Aspekt der christlichen Anthropologie und verleiht dem Menschen eine unvergleichliche Würde und einen einzigartigen Wert.Im christlichen Verständnis ist der Mensch sowohl körperlich als auch geistig. Er besitzt eine unsterbliche Seele, die in enger Verbindung mit seinem physischen Körper steht. Dieser Dualismus von Körper und Seele ist ein weiterer wichtiger Aspekt des christlichen Menschenbildes.Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das christliche Menschenbild eine komplexe Mischung aus göttlicher Ebenbildlichkeit, körperlich-geistiger Dualität, Sündhaftigkeit, Erlösung und Gemeinschaft ist.
Der Materialismus
Das Menschenbild des Materialismus basiert auf der Annahme, dass die materielle Welt die einzige Realität ist. Dies bedeutet, dass alle Phänomene, einschließlich menschlicher Gedanken, Gefühle und Handlungen, auf materielle Prozesse zurückgeführt werden können.
Materialismus sieht den Menschen als Teil der Natur, der durch die Gesetze der Physik und Chemie bestimmt wird. Dies bedeutet, dass menschliches Verhalten und menschliche Entscheidungen auf biologische Prozesse und Umweltfaktoren zurückgeführt werden können.Dieses Menschenbild hat weitreichende Implikationen für Fragen der Ethik und Moral. Wenn der Mensch nur ein Produkt materieller Prozesse ist, dann sind Konzepte wie Freiheit und Verantwortung möglicherweise nicht in der gleichen Weise relevant, wie sie in anderen Weltanschauungen sind.
Das Bemühen der Wissenschaft
Eine zentrale Frage in Bereichen wie Biologie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie betrifft die Rolle unserer Gene oder Epigenetik für unser Wesen, unsere Persönlichkeit und sogar unsere Verhaltensmuster. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema gibt es unendlich viele, mit sehr verschiedenen Ergebnissen. Wie flexibel sind wir? Wie groß ist der Einfluss von Erziehung und sozialem Umfeld? Wie weit kann Bildung uns bringen? In der Freimaurerei können wir diese komplexe Diskussion über Vererbung und Umwelt nicht endgültig klären.
Hat die Freimaurerei ein Menschenbild?
Letztlich spielt die Reflexion eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Menschenbildes. Durch das Nachdenken über sich selbst und seine Erfahrungen kann ein Mensch sein Verständnis von sich selbst und anderen verändern und erweitern. Dies ist ein fortlaufender Prozess, der das ganze Leben lang andauert. Und hier kann die Freimaurerei ihre Mitglieder unterstützen.
Unsere Ansichten zu den Werten, welche die Freimaurerei auszeichnen – wie Freiheit, Gleichheit oder Brüderlichkeit – sind von unseren individuellen Menschenbildern geprägt. Natürlich snd diese individuellen Bilder unglaublich vielfältig. Die meisten sind aus verschiedenen Varianten der traditionellen Interpretationen zusammengesetzt und beruhen – zumindest im westlichen Kulturkreis – immer noch stark auf antiken und christlichen Ursprüngen, angereichert mit neuen wissenschaftlichen Varianten.
Das gilt nicht nur für die Freimaurer, sondern für alle denkenden Wesen. Schließlich reden wir nicht oft über unser tiefes Verständnis vom Menschen. Stattdessen halten wir uns oft an oberflächlichen Annahmen. Wir gestalten unser Leben in einer Weise, dass tiefgreifende Auseinandersetzungen mit unserem inneren Wesen eher die Ausnahme bleibt. Einfach gesagt, wir vermeiden gern schwierige Fragen nach dem Warum und Wie unserer Existenz.
Menschenbilder
Eine der überzeugendsten Aspekte der Freemasonry ist ihre Fähigkeit, konventionelle Ansichten aufzubrechen. Ihre Methoden und Lehren gleichen einer königlichen Kunst, die weder zufällig noch bedeutungslos ist. Man kann sie nicht auswendig lernen – sie erfordert aktive Umsetzung, sowohl individuell als auch innerhalb der Freimaurer-Gemeinschaft. Es ist ein integraler Bestandteil dieser Lebenskunst, sich mit dem eigenen Menschenbild auseinanderzusetzen.
Obwohl unsere individuellen Menschenbilder unterschiedlich sein mögen und die Freimaurerei als Institution grundlegende Fragen über das Wesen des Menschen und die universelle Menschlichkeit nicht direkt beantworten kann, existiert dennoch ein gemeinsames Grundverständnis innerhalb der Freimaurerei. Dies bildet den kleinsten gemeinsamen Nenner eines maurischen Menschenbildes.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass das Menschenbild der Freimaurer den Menschen als ein moralisches, intellektuelles und soziales Wesen sieht, das ständig danach strebt, sich selbst zu verbessern und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Die maurische Vision, die wir in Logen Wirklichkeit werden lassen wollen, besteht nun insbesondere auch darin, durch Selbsterkenntnis, durch das Schaue in dich ein solches Selbstbild zu entwickeln, von dem ausgehend die Menschen, die Gesellschaft und die Menschheit verstanden werden können. Stets in einem individuellen Sinn, dadurch Gemeinschaft geprägt wird.
Während ein Freimaurer durch die Initiationsreise geht, um seinen eigenen rauen Stein zu formen und zu glätten, akzeptiert er die dynamische Formbarkeit des Menschen. Er erkennt zudem, dass es lohnenswert ist, in Gemeinschaft und durch Eigeninitiative jenes Maß an Formbarkeit vollständig auszureizen.
Das Menschenbild der Freimaurer basiert auf dem Glauben an die Entwicklungsfähigkeit und formbare Natur des Menschen. Diese Sichtweise ist grundsätzlich optimistisch. In unseren freimaurerischen Treffen kommen wir nicht zusammen, um am Leid der Welt zu verzweifeln. Sicherlich diskutieren wir über vorhandene Probleme, Ängste und Sorgen, aber unser Hauptziel ist es, individuelle und gesellschaftliche Lösungen zu finden.
Das freimaurerische Menschenbild ist, passend zur Symbolik des Bauens, konstruktiv geprägt. Unsere Treffen und Arbeiten in der Loge haben nicht das Ziel, uns selbst zu erhöhen, sondern sie dienen dazu uns weiterzuentwickeln. Wir, die Brüder, sind die Bausteine des Bauwerks, das wir gemeinsam errichten. Unsere Symbole – aus den Bereichen Licht, Bau, Wanderschaft und Bruderliebe – bilden gemeinsam ein spezielles freimaurerisches Bild vom Menschen. Ein Bild, das wir individuell interpretieren und im Alltag leben können und sollten.
Dieses Konzept ist optimistisch und konstruktiv, es schätzt den warmen, rationalen und bindenden Geist. Es erkennt sowohl die Einzigartigkeit des Individuums an, als auch den Wert und die Bedeutung von Gemeinschaft.
Zusammenfassend kann man sagen: In der Freimaurerei existieren verschiedene Menschenbilder, die so vielfältig sind wie die Brüder selbst . Esgibt jedoch auch ein einheitliches Menschenbild. Dieses ist aufbauend und herausfordernd. Dennoch ist es nur ein Bild. Unsere Aufgabe als Freimaurer besteht darin, dieses Bild in persönlich realisierbare Lebenswege einzubauen und umzusetzen.
und es ist o.k , alles auf dem Weg, singt dann der Herbert Grönemeyer in meinem Kopf..
The author is an entrepreneur, lawyer, and humanist. He has been active in various roles within Freemasonry for over two decades. He would like to know what holds the world together at its core, but he doesn't know. Possibly also because he didn't pay close attention in high school physics class. Instead, during that time, he wrote love poems without much success. The poems are no longer findable and are presumably lost to posterity forever.
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