Was ist Weisheit?

Was ist Weisheit?

Weisheit ist die Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen und kluge Entscheidungen zu treffen. Es ist das Wissen, das durch das Leben gewonnen wird und uns hilft, die richtigen Wege zu wählen, selbst wenn es nicht immer die einfachsten sind.

In der deutschen Sprache wird Weisheit oft mit Wissen und Klugheit gleichgesetzt, aber es geht darüber hinaus. Es ist die Fähigkeit, nicht nur zu wissen, sondern auch zu verstehen, was das Wissen bedeutet und wie es angewendet werden kann.

In den Klassikern wird Weisheit als eine Tugend angesehen, die durch Erfahrung und Selbstbeherrschung erlangt wird. Es ist die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden und das Richtige zu tun, selbst wenn es schwierig ist.

So ist Weisheit nicht nur das Wissen, sondern auch die Kunst, es zu nutzen.

Soweit die kurze KI Definition, die eigentlich ganz gut ist. Besonders der letzte Satz „nicht nur das Wissen, sondern auch die Kunst es zu nutzen“ ,hat mich veranlasst Bezüge zur Freimaurerei zu suchen. Diese nennt sich ja auch – etwas unbescheiden – die königliche Kunst.

Freimaurerei und Weisheit

In freimaurerischen Ritualen wird oft auf den Begriff „Weisheit“ Bezug genommen. Immer wieder werden die Freimaurer dazu ermahnt, weise zu leben und zu handeln.

Aber was ist dabei eigentlich gemeint? 

Seneca sagt:

„Wer Weisheit sucht ist weise, wer glaubt, sie gefunden zu haben ist ein Narr.“

und Aristoteles:

„Der Anfang aller Weisheit ist die Verwunderung“ 

Ein langer Weg zur Weisheit

Es scheint also also ein langer Weg dahin. Die Umgangssprache ordnet Weisheit vielleicht gerade deshalb dem Alter zu. Diese Eigenschaft hat offenbar also mit der Erreichung einer bestimmten Reife und Erfahrung zu tun. 

Weisheit ist eine Zielangabe, etwas, das wir suchen und das wir vielleicht irgendwann erringen können. Sie fragt nach dem Grund, nach dem Sinn dessen, was ist. Wer fragt, will etwas wissen. Wer weise sein will, sucht nach Wissen. Die Worte „Wissen“ und „Weisheit“ sind sprachlich verwandt. 

Weisheit (sapientia) wird sowohl im theoretischen als auch im praktischen Sinne verstanden. 

Im theoretischen Sinn bedeutet Weisheit so viel wie Wissen und zwar umfassendes und gründliches, das heißt bis zu den tiefsten Gründen reichendes Wissen, also „Weltweisheit“ (Philosophie) und „Gottesweisheit“ (Theologie). 

Weisheit als Tugend

Das heißt aber nicht, dass die Summe allen Wissens zwangsläufig Weisheit ist. Denn Weisheit ist auch eine Tugend. 

Plato zählt die Weisheit zu den vier Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Maßhalten und Besonnenheit. Nur durch eine Harmonie dieser Tugenden gelangt man zur Gerechtigkeit. man gelangt durch den Trieb, richtig zu leben (Plato nennt ihn „Eros“) zur Glückseligkeit. 

Diese Definition paßt gut zu einer Beschreibung von Augutinus:

 „Denn Weisheit ist letztlich nichts anderes als das Maß unseres Geistes, wodurch dieser im Gleichgewicht gehalten wird, damit er weder ins Übermaß ausschweife, noch in die Unzulänglichkeit falle. [Über das Glück 4,35]. 

Weisheit ist also als Bestreben zu einer ausgewogenen Lebensart zu sehen. Ziel ist (nach der Stoa) ein harmonisches Leben mit der Natur, ein „guter Fluss des Lebens“. 

Weisheit und Klugheit

Im Zusammenhang mit praktischer Weisheit wird oft der Begriff Klugheit verwendet. Man spricht von einem „klugen Kopf‘, wodurch schon ein Hinweis darauf gegeben ist, wo wir die Klugheit ansiedeln, nämlich im Kopf. Und damit ist eigentlich schon ein Unterschied zur Weisheit aufgezeigt: der Klugheit fehlt die Güte. 

Klugheit setzt Einsicht in Zusammenhänge und scharfes Denken voraus. Klug ist, wer sich im Leben zurechtzufinden und in gegebenen Situationen geschickt zu verhalten weiß. Klugheit hat nach meinem Empfinden gelegentlich schon etwas Berechnendes. Das kommt beispielsweise im Sprichwort zum Ausdruck: „Der Klügere gibt nach“. Dieses Nachgeben geschieht oft nicht in der tieferen Einsicht in das Recht des anderen oder aus Duldsamkeit, sondern um des eigenen Vorteils willen. Es resultiert aus der Erkenntnis, daß nämlich bei dem Streiten doch „nichts herauskommt“. 

Die Klugheit soll hier aber nicht abgewertet, sondern lediglich gegenüber der Weisheit abgegrenzt werden, um so den Begriff der Weisheit klarer herauszuarbeiten. Selbstverständlich gehört die Klugheit als Geschicklichkeit, sich in den Schwierigkeiten des Lebens angemessen zu verhalten, zu den wichtigsten Fähigkeiten, die Alltagsprobleme zu meistern. Aber geben wir acht, daß wir nicht aus lauter Klugheit zum Opportunisten werden.

CARL ORFF lässt seine „Kluge“ sagen:

„klug sein und lieb haben könne keiner zugleich“.

Der Satz macht zumindest nachdenklich. Ersetzen wir aber „klug“ durch „weise“, dann ist offensichtlich, daß der Satz „weise sein und lieb haben könne keiner zugleich“ allenfalls aus dem Mund eines Spötters kommen kann. Dennoch sollten wir auch von der Klugheit nicht zu gering denken. Wenn es in der Bibel heißt:

„Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden!“

so gewinnt hier die Klugheit schon eine andere, tiefere Wertung. Aber hier macht eben auch der Austausch der Wörter „klug“ und „weise“ einen Sinn: 

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir weise werden!“. 

Beispiele von Weisheit

Vielleicht hilft uns bei unserer Betrachtung ein Beispiel aus unserer Geschichte weiter: FRIEDRICH III., Kurfürst von Sachsen, ein weiser Mann, hatte einen Wahlspruch: „Nur soviel, wie ich vermag“. 

Die Leute nannten ihn den Weisen. Das ist wahrhaftig eine hohe Auszeichnung, denn kaum ein anderer Herrscher des Abendlandes bekam einen ähnlichen Titel verliehen. FRIEDRICH III, hatte sich diese Ehrung offensichtlich verdient. Er lebte von 1463 bis 1525. Es heißt, er habe durch sorgfältige Erziehung, fortgesetzte Lektüre und den Umgang mit gelehrten Männern eine seltene Belesenheit in den Schriften der Alten erworben. Weiter ist in seiner Biographie von seinem redlichen Charakter die Rede.

Eine seiner wohl verdienstvollsten Regentenhandlungen war die Gründung der Universität Wittenberg, die er „seine Tochter“ zu nennen pflegte. Wittenberg wurde durch die Berufung von Luther, Melanchthon und anderen die Keimzelle der reformatorischen Bewegung. Und obwohl FRIEDRICH keineswegs reformatorischen Grundsätzen huldigte, so gewährte er doch dem geächteten Luther Schutz auf der Wartburg.

Weisheit ist also nicht etwas, das dem Menschen in die Wiege gelegt wird. Weisheit wird erworben durch Lebenserfahrung oder sie kann ein Geschenk, eine Gnade Gottes sein. Hier gibt die Biographie des „weisen“ Königs SALOMO ein Beispiel: 

SALOMO war der Nachfolger des Königs DAVID, des Einigers des jüdischen Großreiches. Die Nachfolge DAVIDS erlangte SALOMO mit Hilfe eines Teiles der Priesterschaft und durch Beseitigung der Menschen, die ihm im Streben nach dem Thron DAVIDS gefährlich werden konnten. 

Salomonischer Tempel

Nach diesen Vorkommnissen wandte sich SALOMO im Jahre 962 v. Chr. mit der Bitte an Gott, dieser möge ihm Weisheit schenken. Wir erfahren dies aus der Bibel im 1. Buch der Könige im 3. Kapitel in den Versen 5-12. Es wird berichtet, dass das Gebet SALOMOS erhört wurde. Hier erfahren wir Weisheit also als eine Gabe Gottes. 

Weisheit ist auch und vor allem die Fähigkeit eines menschlichen Verstehens im Zusammenklang mit der Güte des Herzens. Der weise Richter und der weise Herrscher sind nicht allein durch die Schärfe ihres Verstandes gekennzeichnet, sondern durch das menschliche Verstehen und durch die in ihren Entscheidungen verborgene Güte. 

Im Unterschied zur Klugheit ist die Weisheit Ausdruck einer menschlichen Grundhaltung, die auf einer allgemeinen Lebenserfahrung und einem umfassenden Verstehen und Wissen um Ursprung, Sinn und Ziel der Welt und des Lebens gegründet ist. 

Weisheit des Handelns

Die Weisheit des Handelns bezieht sich auf die Anwendung von Weisheit in den alltäglichen Aktivitäten und Entscheidungen. Sie impliziert das Verständnis darüber, wann und wie man handelt oder eben auch nicht handelt. Ein weiser Mensch ist nicht nur jemand, der über Wissen und Erfahrung verfügt, sondern auch jemand, der in der Lage ist, dieses Wissen effektiv im praktischen Leben anzuwenden. 

Die Fähigkeit, weise zu handeln, kann nicht ausschließlich aus Wissen oder Intelligenz abgeleitet werden. Sie erfordert vielmehr eine tiefe Verinnerlichung von Werten, Tugenden und moralischen Prinzipien. Weise Menschen sind in der Regel solche, die nachdenklich und bewusst leben. Sie nehmen sich die Zeit, Situationen zu analysieren, um die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen, und handeln dabei stets ethisch und gerecht. 

Die Weisheit des Handelns zeigt sich besonders in Situationen, die schwierige oder komplexe Entscheidungen erfordern. Weise Menschen können in diesen Momenten über den momentanen Kontext hinausdenken und die langfristigen Auswirkungen ihrer Handlungen berücksichtigen. Deshalb sind sie häufig in der Lage, Entscheidungen zu fällen, die sowohl für den Einzelnen als auch für das Gemeinwohl vorteilhaft sind.

Die Weisheit des Handelns beinhaltet auch eine gewisse Demut und das Akzeptieren menschlicher Fehler. Weise Personen erkennen ihre eigenen Grenzen an und sind sich bewusst, dass sie nicht immer richtig liegen. Dennoch sind sie immer bereit, aus ihren Irrtümern zu lernen, sich weiterzubilden und streben danach, ihr Verständnis der Welt und ihre eigene Rolle darin kontinuierlich zu vertiefen.

Tatsächlich ist es oft der Prozess des Lernens und Wachsens, der zur Weisheit führt. Es ist der Wille, ständig Neues zu lernen und die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, der es uns ermöglicht, weiser zu werden und weise zu handeln.

Weisheit ist also auch eine „Weisheit des Handelns“, umschließt also auch die aus dieser Grundhaltung sich ergebenden Handlungsweisen. Es genügt eben nicht, nur weise Sprüche zu machen, sondern den Worten müssen auch Taten folgen. Man ist nicht nur weise, man handelt vor allem weise. Oder man bringt seine Weisheit auch dadurch zum Ausdruck, daß man – falls es die Situation erfordert – eben auch einmal nicht handelt, sondern geschehen läßt. 

Die Erkenntnis, die wir aus dem Wissen gewonnen haben, muß in die Tat umgesetzt werden. Erfahrungen, gewonnen in der Vergangenheit steuern bewußt und ebenso unbewußt unser Verhalten in der Gegenwart und führen den Weisen auf sicherem Weg in die Zukunft. So lebt der Weise vertrauensvoll in der Zeit, dankbar Rir die Erkenntnisse aus der Vergangenheit, sicher, in der Gegenwart die richtigen Entscheidungen zu treffen und zuversichtlich dem Zukünftigen entgegensehend: Ein Mensch mit sich und seiner Zeit im Reinen. Weisheit im Denken und Weisheit im Handeln führen so zur Ganzheit des Menschen. 

Es kennzeichnet den Weisen, sich nicht lähmen oder entmutigen, sondern anstoßen zu lassen, das Menschenmögliche zu erkunden und zu tun, aber dieses zur Zeit Menschenmögliche nicht als das Endgültige, das Alleingültige und Maßgebende anzusehen und sich damit zufrieden zu geben. 

Weisheit ist ein Ideal. Wir müssen damit rechnen, dass es dem Menschen mit allen seinen Kenntnissen nie gelingen wird, an ein Ende zu kommen. Forschen und Fragen überdauern jede Generation. Deshalb gehört es auch zum elementaren Grundsatz der Weisheit, die Endlichkeit und Vergänglichkeit des Menschen anzunehmen.

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Eine Antwort auf “Was ist Weisheit?”

  1. […] dienen nicht nur als formale Prozeduren, sie sind vielmehr symbolische Darstellungen der freimaurerischen Philosophie und der moralischen Werte, die sie […]

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J.B. Röhrle

Der Autor ist Unternehmer, Jurist und Humanist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten in verschieden Funktionen der Freimaurerei aktiv. Er wüsste gerne, was die Welt im innersten zusammenhält. Weiß es aber nicht. Möglicherweise auch, weil er im Physikunterricht der Oberstufe nicht gut aufgepasst hat. Stattdessen hat er in dieser Zeit ohne großen Erfolg Liebesgedichte verfasst. Die Gedichte sind nicht mehr auffindbar und der Nachwelt vermutlich für immer verloren.

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