Seekers in Freemasonry: Discovering Common Ideals

Suchende in der Freimaurerei: Gemeinsame Ideale entdecken

Wer interessiert sich für die Freimaurerei? 
 

In Gesprächen mit Interessierten wird oft klar, dass sie in einer Lebensphase sind, in der sie darüber nachdenken, ob beruflicher Erfolg, materielle Besitztümer oder soziale Stellung genug Gründe sind, um ein erfülltes Leben zu führen. Auf der Suche nach etwas, das ihr Leben bereichern könnte, wenden sich diese „Suchenden“ der Freimaurerei zu.

Suchende sind Menschen, die herausfinden möchten, was sie bei uns Freimaurern als mögliche Brüder erwarten können. Viele haben hohe Erwartungen.

Daher sollten wir uns fragen: Was vereint uns in der Loge? Was waren unsere Motive? Wir kamen alle als Suchende hierher und klopften an die Tempeltür. Was suchten wir einst, und was fanden wir? Fanden wir wirklich das, wonach wir suchten oder fanden wir etwas ganz anderes?  

So unterschiedlich wir Freimaurer in unseren Fähigkeiten, Neigungen und Abneigungen, in unseren Zielen und Idealen sind, so unterschiedlich sind auch die Beweggründe, die jeden von uns hierhergeführt haben. 

Aber wir hatten zumindest eine Gemeinsamkeit. Wir suchten alle eine Vereinigung , frei von Aberglauben und Vorurteilen, Standesdünkel und Unduldsamkeit. Den Bund, der zugleich jedem Einzelnen dazu verhelfen soll. sich zu vervollkommnen. Das heißt alle diejenigen Potentiale, die in einer Person ruhen, ihrer Entwicklung und Gestaltung zuzuführen. 

 
Wir alle suchten einen Ort und einen Kreis von Brüdern im Geiste. in dem wir hofften, dass uns gelänge, was Johann Gottlieb Fichte vom Menschen fordert: 

»Werde. was du sein sollst, erfülle deine Bestimmung als Mensch!« 
 
Johann Gottlieb Fichte, einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, wird oft mit freimaurerischen Idealen in Verbindung gebracht. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass er in seinen Schriften und Reden vielfach Gedanken äußerte, die mit den Prinzipien der Freimaurerei übereinstimmen. Sein berühmtes Zitat wird häufig in freimaurerischen Kontexten verwendet, da es den Kern der freimaurerischen Selbstvervollkommnung widerspiegelt. 

Die Freimaurerei und die Aufklärung, die Fichte stark unterstützte, haben viele gemeinsame Wurzeln. Diese Ähnlichkeiten könnten erklären, warum Fichte mit der Freimaurerei in Verbindung gebracht wird. Ob Fichte ein Mitglied der Freimaurerei war, bleibt unklar. Seine philosophischen Werke stimmen jedoch mit freimaurerischen Idealen überein, und seine Vorstellung von einer besseren, aufgeklärten Menschheit spiegelt diese Ideale wider.

Um „Werde, was du sein sollst“ zu erreichen, ist Unterstützung von Gleichgesinnten hilfreich. Unsere Identität entwickelt sich durch Austausch mit anderen, zum Beispiel in einer Loge. Es geht darum, positive Eigenschaften zu fördern und einen guten Umgang mit Schwächen zu finden. Wer Freimaurer werden möchte, sucht eine Gemeinschaft für Unterstützung und persönlichen Austausch, um sich weiterzuentwickeln, wie Fichte es fordert. Oder wie es unsere amerikanischen Brüder gut zusammenfassen “making good men better” 

Viele Menschen haben Schwierigkeiten, moderne Lebensformen in Kultur, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft zu akzeptieren. In westlichen Kulturen gibt es Bewegungen, die den Rechtsstaat, die Marktwirtschaft und die moderne Wissenschaft in Frage stellen. Andere sehen, dass traditionelle Werte und bürgerliche Tugenden weniger akzeptiert werden.

Ein postmodernes Zeitalter soll das Streben nach Glück besser erfüllen als die europäische Moderne, die sich stark auf Rationalität konzentriert. Kritiker erkennen das Ende des Optimismus der Aufklärung und den Glauben an technischen Fortschritt. Diese materialistische Sichtweise hebt die Bedeutung der Technik hervor und lässt glauben, dass das Leben, einschließlich der Natur, mathematisch beschrieben werden kann.

Freimaurerei und Aufklärung – gemeinsame Wurzeln 

Ein kurzer Blick zurück in die Blütezeit der Freimaurerei soll uns die Basis deutlich machen, auf der sich so etwas wie ein »freimaurerisches Weltbild« aufbaut: 
 

Das 18. Jahrhundert wird als »Zeitalter der Aufklärung« bezeichnet, einer Bewegung für geistige und gesellschaftliche Reformen. Ab der Mitte des Jahrhunderts sprach man von »aufgeklärten Zeiten«.  

In dieser Epoche gab es viele Reformbestrebungen und Menschen, die sich als Reformer sahen. Sie wollten durch neue Ideen und Veränderungen praktische Fortschritte erzielen.

Die Aufklärung zielte darauf ab, den Verstand und die Vernunft zu fördern. Sie wollte Vorurteile, Aberglauben und Fanatismus bekämpfen und Unvernunft beseitigen. Ziel war es, Menschen von Unwissenheit und Vorurteilen zu befreien und die Welt vernünftig zu gestalten. 

Von einer Herrschaft der Vernunft erhoffte man sich eine bessere Moral sowie Glück und Freiheit. Verstand und Tugend sollten die Welt lenken, damit glückliche und freie Menschen darin leben können. Dieser Wunsch war nicht neu, doch die Art und Weise, wie er sich zeigte, war einzigartig. Das Engagement, mit dem er auftrat, hebt das Aufklärungszeitalter eindeutig von anderen Epochen ab.

Was allerdings auch aus freimaurerischer Sicht heute dringend erforderlich erscheint. ist die Weiterführung der Aufklärung: eine Weiterentwicklung, die die unverzichtbaren Grundlagen der historischen Aufklärung kritisch weiterführt, eine Aufklärung der Aufklärung. 

Die Freimaurerei wirkt manchmal altmodisch, vor allem in ihren rituellen Praktiken und der Sprache der Aufklärung. Dennoch sind die Kerninhalte weiterhin relevant. Begriffe wie „Fortschritt“ und „Vervollkommnung“ des Menschen sollten kritisch hinterfragt werden, was manche als zweite Aufklärung ansehen. Es ist wichtig, dabei bedacht vorzugehen, um wesentliche Inhalte nicht zu verlieren. Ein zentraler Aspekt der Aufklärung war das Selbstdenken, wie Kant mit „Sapere aude“ forderte. Diese Aufforderung, selbst zu denken, bleibt aktuell und wichtig.

Freimaurerei und Aufklärung heute 

Viele der alten Geheimnisse wurden in den letzten einigen hundert Jahren durch die natur- und geisteswissenschaftlichen Forschungen aufgeklärt. Sie wurden aufgelöst, und an ihre Stelle traten die sogenannten »Naturgesetze«, also Gesetzmäßigkeiten. die wir Menschen (d.h. unser Verstand) in die Natur hineinlegen und die sich für uns im alltäglichen haushälterischen Umgang mit Welt oder mit Natur zweifellos bewähren.  

Technisch und wirtschaftlich wurde die Menschheit zweifellos reicher, wurde sie aber glücklicher und besser, das heißt sittlich wertvoller‘? Nach sittlichen Normen wurde nämlich gerade in der Aufklärung gefragt. Heute fragt man, worin: die Begründung sittlicher Normen überhaupt liegt.  

Wurde die Beziehung der Menschen zueinander dadurch verschönert, dass man den Begriff »Liebe« zu einem biologischen Faktum degradiert?  Wasser ist nicht in allen Lebensbereichen gleich H20 und Liebe ist naturwissenschaftlich nicht zu definieren.

Die freimaurerische Antwort auf diese Gefahr der Gleichsetzung von Aktionspotentialen oder anderen neurophysiologischen Vorgängen mit Empfindungen und Erleben liegt insbesondere im freimaurerischen Ritual. 

Dort und immer dann, wenn im Menschen das Introspektive, das letztlich nicht Mitteilbare angesprochen werden soll, entfaltet das Ritual seine Wirkung. 

Aufklärung im freimaurerischen Sinne versteht sich als nie endende Aufgabe und als Denkprinzip. Diese »permanente« Aufklärung ist Selbstwerden durch freies Denken. 

Die Aufklärung im freimaurerischen Verständnis richtet sich auf Selbstdenken und wendet sich gegen angemaßte Autorität und Vorurteile. Sie strebt nach rationalem Denken und bekämpft Irrtümer, Irrationalismus und Aberglauben sowie Verabsolutierungen und Ideologien. Zudem wird der Widerstand gegen Dogmen und sogenannte absolute Wahrheiten, wie etwa den Ausschließlichkeitsanspruch der Wissenschaft in allen Lebensbereichen, betont. 

Freimaurerische Ethik 

Im Mittelpunkt der Freimaurerischen Arbeit steht der Mensch 
 
Die freimaurerische Anthropologie beschränkt sich daher auf die ethische Perfektionierung des Menschen, Der Weg zu dieser Perfektionierung wird bei uns als Selbstvervollkommnung bezeichnet. 

Das freimaurerische Ritual betont Aspekte des Menschenbildes, die zur ethischen. Die freimaurerische Ethik, ist keine Erfolgs- oder Gesinnungsethik, sondern vor allem eine Verantwortungsethik, die die Umsetzung freimaurerischer Werte in der Gesellschaft fordert. Freimaurer tragen Verantwortung für Mitwelt, Umwelt und Nachwelt und sollen global denken, sozial und humanitär handeln. Die Freimaurerei fördert Toleranz und vertritt Werte einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft, was sie in Konflikt mit ideologischen Absolutheitsansprüchen bringt.  

Das brüderliche Gespräch. der Kontakt der Freimaurer untereinander fördert ein stark ausgeprägtes demokratisches Bewusstsein.  

Freimaurerei verlangt die aktive Praxis von Tugenden wie Ehrlichkeit, Integrität, Mitgefühl und Großzügigkeit. Ein Freimaurer soll ein guter Mensch und Bürger sein, was bedeutet, stets das Richtige zu tun, auch wenn es schwierig ist. 

Hierbei soll besonders auf drei Kernbegriffe der freimaurerischen Praxis hingewiesen werden. Viele Interessenten thematisieren diese Begriffe in den ersten Gesprächen. 

Freimaurerei und Brüderlichkeit 

Freimaurer verstehen unter Brüderlichkeit eine tief verwurzelte und allumfassende Form der Nächstenliebe, die sich durch aktive Hilfsbereitschaft und tätige Unterstützung für den Mitmenschen auszeichnet. Diese Brüderlichkeit geht über bloße Zweckgemeinschaften hinaus und ist eine Herzensangelegenheit, die sich nicht nur innerhalb der eigenen Reihen, sondern gegenüber allen Menschen auf der Welt zeigt. 

Im freimaurerischen Sinne beinhaltet Brüderlichkeit die Anerkennung und Wertschätzung der individuellen Persönlichkeit jedes Menschen. Sie betont die Wichtigkeit der Toleranz und des Respekts gegenüber den Überzeugungen anderer und fördert ein harmonisches Zusammenleben durch Verständnis und Mitgefühl. 

Brüderlichkeit im Kontext der Freimaurerei ist eine Verpflichtung, die jeden Freimaurer dazu anspornt, stets bestrebt zu sein, diese Werte in seinem täglichen Leben zu verwirklichen und glaubwürdig zu machen. Es ist ein ständiges Bemühen, das häufig eine Herausforderung darstellt, aber als moralischer Kompass dient und zur ethischen Vervollkommnung des Einzelnen und der Gemeinschaft beiträgt. 
 

Freimaurerei und Toleranz 
 

Tolerance ist ein zentrales ethisches Prinzip der Freimaurerei. Der Philosoph Heraklit lehrte, dass Leben aus Gegensätzen entsteht. Hegel entwickelte diese Idee weiter und betrachtete alles Leben als dynamischen Prozess: These führt zur Antithese, und beide werden in der Synthese vereint. Ein gelehrter Mensch erkennt diese Polaritäten als Teile eines größeren Ganzen. Toleranz wird häufig als Verhaltensbegriff in der profanen Welt verstanden und bedeutet meist das nachträgliche Akzeptieren einer anderen Ansicht, Meinung oder Glaubensrichtung, um des Friedens willen. Diese Form der Toleranz ist im öffentlichen Leben und besonders im politischen Bereich weit verbreitet. 
 

Die Freimaurerei spielte eine maßgebliche Rolle bei der Etablierung des Begriffs der Toleranz. In den „Alten Pflichten“ von 1723 wird festgehalten: „Während die Maurer früher in jedem Land verpflichtet waren, sich zur jeweils vorherrschenden Religion zu bekennen, gilt es heute als angemessener, sie nur zur Religion zu verpflichten. Diese Religion ist eine, in der alle Menschen übereinstimmen. Ihre individuellen Überzeugungen sollen ihnen selbst überlassen werden. Das bedeutet, dass sie gute und wahre Menschen sein sollen, Menschen von Ehre und Aufrichtigkeit, unabhängig davon, welche Konfessionen oder Überzeugungen sie haben. Dadurch wird die Freimaurerei zum Zentrum der Einigkeit und zum Mittel, wahre Freundschaft zwischen Menschen zu schaffen, die ansonsten in dauernder Trennung verharren müssten“ (Konstitutionen, 1723, Erste Pflicht). 

Schon in der Aufstiegsphase der Maurerei und in ihrer historischen Ausbreitung war der Toleranzgedanke zum politischen Leitbild geworden Kulminationspunkte waren die amerikanische und französische Erklärung der Menschenrechte, an denen Freimaurer beteiligt 

Im freimaurerischen Sinne umfasst das Toleranzprinzip heute bedeutend mehr als das lateinische Verbum (dulden, ertragen), nämlich die Respektierung des Andersdenkenden durch besseres Verstehen. Es zählt daher zu den wesentlichen Zielen freimaurerischer Arbeit, den Respekt vor den Überzeugungen des anderen zu wecken. Diese Toleranz der Respektierung der Weltanschauung und Religion des anderen ist eine der Grundlagen der Freimaurerei. 

Toleranz im freimaurerischen Sinne wird als eine geistige Vorleistung gegenüber dem Nächsten betrachtet. Sie ist eine empfindungs- und verstandesmäßige Vorleistung. Diese basiert auf der absoluten »Achtung« vor seiner menschlichen Persönlichkeit. Toleranz ist dann eine innere und vorbehaltlose Bereitschaft. Man gesteht dem Nächsten von vornherein zu, dass er ein ernst zu nehmender Suchender ist. Dies gilt insbesondere, wenn er ein Freimaurer Bruder ist, genauso wie man es selbst ist.  

Menschen sind unterschiedlich, was auch verschiedene Eigenschaften und Ansichten mit sich bringt. Diese Unterschiede kommen auch in der Loge zum Vorschein und können manchmal als Streitquelle gesehen werden. Tatsächlich bilden sie jedoch die Grundlage des Lebens. Ein Zusammenleben nur gleicher Individuen würde weniger Harmonie bringen. Es würde eher zu Stillstand führen. Dies würde das Ende des Logenlebens bedeuten. 

Freimaurerische Arbeit 

Die Freimaurerei verfolgt das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung und menschlichen Vervollkommnung mit verschiedenen Methoden. Das Ritual ist dabei von großer Bedeutung und charakterisiert den freimaurerischen Weg. Es bezeichnet die Ordnung, in der eine symbolische Handlung erfolgen soll und vermittelt die freimaurerischen Lehren sowohl durch Worte als auch durch symbolische Formen. Die Rituale bestehen aus strukturierten Abfolgen symbolischer und allegorischer Handlungen, einschließlich Worten, Gesten sowie figürlicher Darstellungen und Objekten. 

Freimaurerische Rituale sind von der Bauhüttentradition geprägt und finden in einem symbolischen Raum und Zeit statt. Dabei sollen Freimaurer durch das Ritual ihre Emotionen einbeziehen. Es wird angenommen, dass die Welt nicht nur mit den Sinnen wahrgenommen wird, sondern auch metaphysisch erfahren werden kann. Das irdische Geschehen steht im Zusammenhang mit dem Großen Baumeister aller Welten. Die Rituale bieten keine festen Anweisungen, sondern Raum für Interpretation. Sie unterstützen den Freimaurer dabei, Abstand von den Problemen der Welt zu gewinnen und bieten Methoden zur Konfliktlösung. Außerdem ermutigen sie ihn dazu, sich weiterzuentwickeln und seine Verantwortung in der Gesellschaft wahrzunehmen. Das Ideal der Humanität wird somit zu einer vorbildlichen menschlichen Praxis. 

J.B. Roehrle Avatar

Leave a Reply

J.B. Röhrle

The author is an entrepreneur, lawyer, and humanist. He has been active in various roles within Freemasonry for over two decades. He would like to know what holds the world together at its core, but he doesn't know. Possibly also because he didn't pay close attention in high school physics class. Instead, during that time, he wrote love poems without much success. The poems are no longer findable and are presumably lost to posterity forever.

Discover more from Naometria

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading