Henry Ford – Freimaurer und vieles mehr

Henry Ford – Freimaurer und vieles mehr

Berühmte Freimaurer dienen oft als Projektionsflächen für die Tugenden der Bruderschaft. Bei Freimaurern wie Goethe, Mozart oder Lessing fällt das leicht, da sich ihr Leben und Werk auch im Einklang mit freimaurerischen Werten befinden. 

Wie aber würdigt man Brüder, die diesen hohen moralischen Ansprüchen in ihrem Lebenswerk zwar teilweise gerecht werden aber auch ganz erhebliche persönliche „Schwächen“ hatten?  Soll man diese Punkte mit brüderlicher Toleranz möglichst kleinreden oder ist nicht besser sie offen anzusprechen?

Henry Ford war zweifellos eine komplexe Persönlichkeit, die sowohl bewundernswerte als auch problematische oder gar abstoßende Eigenschaften aufwies.

Am Beispiel Henry Fords, eines erfolgreichen und visionären Unternehmensgründers wird besonders deutlich, wie freimaurerische Wertvorstellungen und persönliche Vorurteile in Konflikt geraten können.

Henry Ford geboren 1863 als ältestes von sechs Kindern eingewanderter irischer Bauern, hatte nur eine Dorfschule und eine dreijährige Mechanikerlehre absolviert. Er wurde als Gründer der Ford Motor Company zu einem legendären amerikanischen Industriellen. Er starb am 7. April 1947.

Ford ist bekannt für die Einführung der Fließbandproduktion in der Automobilindustrie, was die Massenproduktion von Autos ermöglichte und sie erschwinglicher für die breite Öffentlichkeit machte. Dieses Modell der Produktion wurde als Fordismus bekannt.

Er war auch ein Pionier in anderen Bereichen, wie der Einführung von Mindestlöhnen und der Fünf-Tage-Arbeitswoche. 

Zusätzlich zu seiner Arbeit in der Automobilindustrie war Ford auch ein aktiver Freimaurer. Er wurde 1894 in die Palestine Lodge No. 357 in Detroit aufgenommen und blieb bis zu seinem Tod ein aktives Mitglied der Freimaurerei.

Ford war auch ein umstrittener Figur. Er war bekannt für seine antisemitischen Ansichten. Allerdings war an dem Gerücht, Ford habe direkt oder indirekt die Hitler-Bewegung finanziell unterstützt, tatsächlich nie etwas dran. Diese Aspekte seines Lebens haben zu kontroversen Diskussionen über sein Erbe geführt.

Henry Ford als Freimaurer

Henry Ford trat der Freimaurerei im Jahr 1894 bei, als er 30 Jahre alt war. Er wurde in der Palestine Lodge Nr. 357 in Detroit, Michigan, aufgenommen. Sein Interesse an der Freimaurerei war wahrscheinlich auf seinen Wunsch zurückzuführen, sich mit einflussreichen Personen zu vernetzen und seine Karriere voranzutreiben.

Die Freimaurerei war zu dieser Zeit eine weit verbreitete und angesehene Organisation, die oft als Plattform für Networking und beruflichen Aufstieg genutzt wurde. Ford sah in der Freimaurerei eine Möglichkeit, seine sozialen und beruflichen Beziehungen zu stärken und seinen Einfluss in der Gesellschaft zu erweitern.

Es ist bekannt, dass Ford die Prinzipien und Werte der Freimaurerei schätzte. Er glaubte an die Ideale von Brüderlichkeit, Gleichheit und Wohltätigkeit, die die Grundpfeiler der Freimaurerei sind. Diese Werte spiegelten sich auch in seinen Geschäftspraktiken und seiner Unternehmensphilosophie wider.

Ford stieg in der Hierarchie seiner Loge auf und erreichte den 33. Grad, den höchsten in der schottischen Ritus-Freimaurerei. Dies zeigt sein Engagement und seine Hingabe an die Organisation und ihre Prinzipien.

Ab 1947 war er auch ein stolzes Mitglied der Zion Lodge No. 1. So tief war er in seiner freimaurerischen Weltanschauung verwurzelt, dass für seine Erhebung zum Meister schon einmal der gesamte Tempel der Palestine Lodge No. 357 in einer Fabrikhalle von Arbeitern in Arbeitskluft errichtet wurde!

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass -wie so viele Teile seines Lebens- auch Fords Beziehung zur Freimaurerei Kontroversen hervorrief. Einige Kritiker behaupten, dass er die Organisation und ihre Treffen nur nutzte, um seine eigenen Interessen zu fördern und seine Konkurrenten zu untergraben.

Unternehmerischer Erfolg

Henry Fords Unternehmen, die Ford Motor Company, war aus mehreren Gründen sehr erfolgreich. Einer der Hauptgründe war seine bahnbrechende Einführung der Fließbandproduktion. Durch die Einführung dieser Methode konnte Ford Autos schneller und kostengünstiger herstellen als seine Konkurrenten. Dies ermöglichte es ihm, den Preis für seine Autos zu senken und sie für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen.

Ein weiterer Grund für Fords Erfolg war seine Vision, ein Auto für die Massen zu produzieren. Er erkannte, dass Autos nicht nur für die Reichen und Privilegierten sein sollten, sondern für jeden erschwinglich sein könnten. Durch die Senkung der Produktionskosten und die Steigerung der Effizienz konnte Ford den Preis für seine Model T Autos so weit senken, dass sie für den Durchschnittsamerikaner erschwinglich wurden. Dies führte zu einer enormen Nachfrage und machte Ford zu einem der führenden Autohersteller seiner Zeit.

Darüber hinaus war Ford auch für seine fortschrittlichen Arbeitspraktiken bekannt. Er führte den Acht-Stunden-Tag und den Mindestlohn ein, was dazu führte, dass mehr Menschen bereit waren, für ihn zu arbeiten und seine Autos zu produzieren. Diese Praktiken trugen dazu bei, die Moral und Produktivität der Arbeiter zu steigern und trugen zu Fords Erfolg bei.

Schließlich war Ford auch ein geschickter Geschäftsmann und Vermarkter. Er verstand die Bedeutung von Markenbildung und Werbung und nutzte diese Werkzeuge effektiv, um seine Autos zu verkaufen. Er baute eine starke Marke auf und schuf eine treue Kundenbasis, die zum langfristigen Erfolg seines Unternehmens beitrug.

Einfluss der Freimaurerei auf Fords Karriere

Ford nutzte auch Prinzipien der Freimaurerei, um seine Führungskompetenzen zu stärken. Fords Freimaurerloge lehrte ihre Mitglieder, Führungsrollen und Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Diese Prinzipien halfen Ford, seine Vision von der Massenproduktion von Automobilen zu verwirklichen.

Am Ende des ersten Weltkriegs hatte Ford es geschafft, seine Automarke zur globalen Nummer Eins zu machen. Fast jedes zweite verkaufte Auto trug seinen Namen. Darüber hinaus zeichnet sich Ford durch eine beim damaligen Stand der Dinge ungewöhnliche Vorreiterrolle aus. Er stellte eine breite Vielfalt von Menschen ein, darunter Schwarze, Einwanderer, Menschen mit vorheriger krimineller Geschichte und Menschen mit körperlichen Behinderungen.

In seiner Firma gründete er eine umfangreiche ’soziologische Abteilung‘, mit dem Ziel, den Arbeitnehmern sowohl berufsbezogene, als auch persönliche ‚moralische Werte‚ zu vermitteln. Allerdings gibt es einen Aspekt , der oft unter den Teppich gekehrt wird: In seinem „sociological Department“, wurden auch regelmäßig Hausbesuche durchgeführt, die möglicherweise nicht nur zur Hebung der moralischen Standards sondern auch zur Disziplinierung und Indoktrinierung der Mitarbeiter und deren Familien dienten. Die hohen moralischen und ethischen Standards der Unternehmenskultur sollten also mit sanftem Druck durchgesetzt werden, Eine frühe Version des „social scoring“ sozusagen. 

Einige Kritiker behaupten, dass Ford durch seine Verbindungen zur Freimaurerei dazu verleitet wurde, Entscheidungen zu treffen, die mehr auf die Interessen der Bruderschaft als auf die seiner Firma oder seiner Arbeiter ausgerichtet waren. Es gibt jedoch keine konkreten Beweise, die diese Behauptungen stützen, und es bleibt eine Frage der Interpretation.

Ford unterhielt neben dem „sociological department“ auch eine speziell gegründete Abteilung, das Service Department, dessen Aufgabe es war, gegen Protestierende und Gewerkschaftsmitglieder vorzugehen. Dessen Leiter, der zwielichtige Ex-Soldat und Boxer Harry Bennett, agierte mit seiner Gruppe oft sehr brutal.

Die Freimaurerei hatte trotz allem ohne Zweifel einen bedeutenden Einfluss auf Fords Karriere und sein persönliches Leben. Sie bot ihm eine Plattform für persönliches Wachstum und half ihm, die Führungsqualitäten zu entwickeln, die ihn zu einem der einflussreichsten und innovativsten Industriellen seiner Zeit machten.

Henry Ford der Antisemit

Trotz seiner Mitgliedschaft in der Freimaurerei, einer Organisation, die Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit fördert, hatte Ford Zeit seines Lebens starke antisemitische Überzeugungen.

Dies stellt einen offensichtlichen Widerspruch dar und zeigt, dass Ford seine persönlichen Vorurteile und Überzeugungen über die Prinzipien der Freimaurerei stellte.

Henry Ford war bekannt für seine antisemitischen Ansichten, die er in verschiedenen Publikationen und Aussagen zum Ausdruck brachte. Er war der Herausgeber der Zeitung ‚The Dearborn Independent‘, in der er eine Reihe von Artikeln veröffentlichte, die als ‚The International Jew‘ bekannt sind. Diese Artikel verbreiteten antisemitische Stereotypen und Verschwörungstheorien.

Ford finanzierte auch die Veröffentlichung und Verbreitung von ‚The Protocols of the Elders of Zion‘, einem gefälschten Dokument, das behauptet, es gäbe eine weltweite jüdische Verschwörung. Dieses Dokument wurde später als Fälschung entlarvt, aber es hatte bereits erheblichen Schaden angerichtet und wurde von den Nazis und anderen antisemitischen Gruppen zur Rechtfertigung ihrer Hasspropaganda verwendet.

Es ist wichtig zu beachten, dass Fords antisemitische Ansichten und Handlungen auf breite Kritik stießen. Im Jahr 1927 wurde er wegen Verleumdung verklagt und entschuldigte sich öffentlich für seine antisemitischen Äußerungen.

Trotzdem bleibt sein Erbe in dieser Hinsicht umstritten. Auch wenn seine Entschuldigung dieses traurige Kapitel in seinem Leben abschloss, blieb es für viele Zeitgenossen unklar, wie ernsthaft und ehrlich seine Distanzierung von den kruden Verschwörungstheorien war.

Beitragsbild von WikiImages auf Pixabay

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J.B. Röhrle

Der Autor ist Jurist mit freimaurerisch – philosophischen Gedankenmustern und auch sonst von mäßigem Verstand. Er wüsste gern, was die Welt im innersten zusammenhält. Weiß es aber nicht. Möglicherweise auch, weil er im Physikunterricht der Oberstufe nicht gut aufgepasst hat. Stattdessen hat er in dieser Zeit ohne großen Erfolg Liebesgedichte verfasst.

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